Wir sind die Borg. Sie werden assimiliert werden. Deaktivieren Sie Ihre Schutzschilde und ergeben Sie sich. Wir werden ihre biologischen und technologischen Charakteristika den unsrigen hinzufügen. Ihre Kultur wird sich anpassen und uns dienen. Widerstand ist zwecklos!

Wer Asterix gelesen hat, dem fällt dazu dieser lateinische Aphorismus ein: Alea jacta est. (G. J. C.) Und wer Star Trek kennt, kann sich vorstellen, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt.

Bevor sich heraus stellen wird, dass der Erfolg von Google und Facebook nur aus einer gigantischen Aufblähung von Erwartungserwatungen besteht, muss eines von beiden Unternehmen das imperiale Mandat erringen. Erst dann kann man herausfinden, was gegenwärtig nur Soziologen aus der Provinz, die sonst kaum ernst genommen werden, argumentativ versuchen zu erklären, dass nämlich der Gewinner dieses Wettrennens nicht mehr mitteillen kann, was er gewonnen hat. Wer könnte es noch bemerken?

Alle Operationen des Gewinners erzeugen nur weiterere Datensätze in seiner Sammlung, die der Gewinner, wenn er seine Sammlung noch auswerten will, durch Einschränkungen ihrer Verfügbarkeit gewinnen kann. Aber diese Einschränkung der Verfügbarkeit ist auf Bedingungen der Selektion angewiesen, über die der Gewinner nicht beliebig verfügt, weil er andernfalls Beliebiges und damit Unbrauchbares zur Erhaltung seiner Stellung als Gewinner geliefert bekäme. Will er also Gewinner bleiben, braucht er Konkurrenten, die er ausstechen könnte, heißt: verlieren alle anderen das Rennen, verliert auch der Gewinner das Rennen. Es sei denn das Rennen geht weiter, aber dann kann niemals nur einer gewinnnen. Und solange des Rennen weiter geht, gibt es kein imperiales Mandat.

Daraus ergibt sich, dass alle Klagen gegen Facebook und Google gegenstandslos sind, weil mit der Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit auch die Bedingungen dieser Steigerbarkeit gesteigert werden. Ein Möglichkeit der Steigerung besteht darin, dass Netzwerknutzer wissen wollen, was das Unternehmen über sie bereits gesammelt hat, was, wenn das Unternehmen darüber Auskunft gibt, dazu führt, dass das Unternehmen hinterher über den Nutzer noch mehr weiß als vorher.
Empirisch drückt sich das aus in einer Beobachtung, in bei der sog. “datenschutzkritischen Spackeria” zu lesen war:
Man will sich seine Daten „holen“. Und um das zu können, muss man Facebook erstmal ne Handvoll Daten *geben* und obendrein sich noch per Ausweiskopie verifizieren. Bin ich der einzige, dem das irgendwie komisch vorkommt? Und wenn ich das gemacht habe, dann habe ich ein PDF, mit dem ich nichts anfangen kann. Achja, und die Daten selbst bleiben natürlich trotzdem bei Facebook, ich bekomm ja nur ne Kopie. Das ist doch auf mehreren Ebenen kaputt. Am Ende dieser unheimlich lehrreichen Aktion ist also Folgendes passiert: Facebook kennt jetzt mehr meiner richtigen Daten, ich habe meinen Account per Ausweiskopie ohne Zwang verifiziert und als Belohnung dafür bekomme ich eine Handvoll in PDF gegossene Glasperlen.
Das zeigt, wie sehr die Verstrickung in das Beobachtungsverhältnis entweder auf Ausweglosigkeit hinaus läuft oder auf die Änderung des Beobachtungsverhältnisses, um die Kommunikation fortsetzen zu können. Und letztere Möglichkeit könnte alle Assimilierungszudringlichkeit harmlos machen, wenn der Problemdruck, der aus der ersten Möglichkeit resultiert, überwunden ist.
Und die Überwindung dieses Problemdrucks wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht schmerzlos zu haben sein.

Meine Daten – deine Daten?

Würde man einem Bäcker vertrauen, der sich weigert, sein eigenes Brot zu essen?
Ein Rotzlöffel namens Mark Zuckerberg hat neulich mit großkotziger Dämlichkeit einen imperialen Machtanspruch mit den Worten angekündigt: “Entweder ihr macht mit oder ihr geht unter!” Inzwischen droht Facebook mit seinem eignen Untergang, indem es sich weigert, bei sich  selbst mitzumachen. Erkennen kann man dies daran, dass Facebook sich weigert, Nutzerdaten herauszugeben. Facebook bezeichnet die persönlichen Daten seiner Nutzer nämlich als “trade secrects or intellectual property”, also als Geschäftgeheimnisse oder geistiges Eigentum.

Offensichtlich haben wir es mit einem Prozess des Indifferentwerdens zu tun, der den Unterschied von “mein und dein” langsam zerfallen lässt. Noch stützt sich Mark Zuckerberg auf eine mit staatlicher Gewalt sanktionierte Unterscheidung von Besitzrechten, die allerdings immer fraglicher wird, wenn der Repräsentant des Unternehmens seine großkotzige Forderung übertreibt. Es es gibt ja noch einen anderen Spezialisten, der genauso großkotzig daher kommt. Gemeint ist Julian Assange, der gern Geheimnisse lüftet.
Mehr dazu

Wer untergeht, macht bei Facebook mit … #fb #spackeria

… und wer nicht mit macht, geht auch unter.
Es ist immer wieder interessant zu bemerken, dass alle Pläne, die Facebook und Google zum Ausbau eines Orwellschen Beobachters unternehmen, über den Weg der konventionellen Massenmedien kommuniziert werden. So kann man zum wiederholten Male bei SPON etwas über Faceboook lesen, das bei Facebook selbst nicht übermittelt wird: “Facebook will Lebensarchiv werden“. Gemeint sind damit Pläne, aus Facebook einen allwissenden Orwellschen Beobachter zu machen, der alle Daten, die alle Internetnutzer erzeugen, zu Zwecken der kommerziellen Auswertung speichert.

Offensichtlich kann ein Identitätsdienst wie Facebook auf Massenmedien noch nicht verzichten, weshalb es auch nicht wundert, dass es aufgrund des massenmedialen Dispositivs immer noch möglich ist, ein Beobachtungsschema zu reproduzieren, dessen wahrscheinliche Akzeptanz gerade durch diesen Ausbau eines Orwellschen Beobachters nicht mehr durchsetzungsfähig ist. Gemeint ist damit der in dem verlinkten Artikel zitierte Satz von Mark Zuckerberg: “Entweder ihr macht mit – oder ihr geht unter.”

Ob Mark Zuckerberg sich tatsächlich zutraut, nicht auch unterzugehen, wenn wir untergehen? Und er hat alles im Griff, nicht wahr?

Im Dezember des letzten Jahres  war in der welt-online in einem längeren Artikel, es ging dabei um Wikileaks und Julian Assange, ganz nebenbei eine Überlegung mitgeteilt, die als komplementäres Gegenstück zu den Plänen von Mark Zuckerberg verstanden werden könnte: „Assange liefert Daten, aber keine Ideen“ hieß es bei welt-online; komplementär deshalb, da das gleiche umgekehrt für Zuckerberg gelten könnte, der Ideen liefert, aber keine Daten. Denn wie jedes andere privatwirtschaftliche Unternehmen braucht Facebook eine Privatsphäre, besser:

Geschäftsgeheimnisse, die es Konkurrenten nicht einfach enthüllen kann. Der eine, Julian Assange, liefert Informationen über Geheimnisse, der andere, Mark Zuckerberg, Auswertungsmethoden ihrer Weiterverwendung. Und beide glauben daran, dass man Datensätze wie ein handelbares Gut auffassen könnte. Und wenn entsprechende Geschäfte ertragreiche Gewinne oder Reputation versprechen, müsste die Weitergabe von Datensätzen ähnlichen Inklusions- und Exklusionsmechanismen unterworfen sein wie alle anderen Waren auch. Aber in beiden Fällen werden diese Zusammenänge höchst fraglich: Weder kann der Leaker sich davor schützen, selbst geleakt zu werden, was auch für den Daten-Dealer gilt, noch kann man Daten wie Waren hergeben. Man kann sie nur kopieren. Deshalb stellt sich doch die ernsthafte Frage, wer eigentlich noch Daten “hat”, wer sie verwenden und weitergeben darf oder nicht.

(Weiter mit: Assange und Zuckerberg – Trivialmonumente der postfaustischen Arroganz)
Mark Zuckerberg darf sich noch einbilden, Daten zu “haben” – sie also wie verfügbares Eigentum zu behandeln; und er kann sich dies einbilden, solange die Unternehmenspolitik als Ergebnis eines Beobachtungsschemas zustande kommt, das einen Unterschied zwischen “Ich” und “Du” vorausetzungsarm in eine subjektive Position umwandelt, die einer anderen subjektiven Position gegenüber steht: “Ihr könnt untergehen, ich nicht.”

Schaut man aber genauer hin, wird man feststellen, dass gerade das Geschäftskonzept dieser “Identitäsdienste” genau das Gegenteil dessen bewirkt, was diese Pläne motiviert, dass nämlich, wenn Daten durch Beobachtung und Gegenbeobachtung einer ständig prozessierten Auswertung durch Algorithmen unterliegen, der Unterschied zwischen “meinen und deinen” Interessen, bzw. Datensätzen, die über Interessen Auskunft geben, immer fraglicher wird.

Das geschieht, wenn alle deine Klicks und Postings, also alle Spuren, die du bei der Verfolgung „deiner Interessen“ hinterlässt, von einem Orwellschen Beobachter aufgezeichnet und von einem Algorithmus ausgewertet  werden, um dir punktgenau durch Werbung, aber auch durch Seiten- und Kontaktvorschläge solche Interessensangebote zu unterbreiten, die durch die Verfolgung „deiner Interessen“ entstehen. Soweit ist das alles wenig bemerkenswert, solange die Ausgangsbedingungen für die Herkunft und Ausgestaltung „deiner Interessen“ nicht allein von der Beobachtung dieses Orwellschen Beobachters abhängig ist, sondern hauptsächlich von einer Welt da draußen, in deren Mannigfaltigkeit Facebook und Twitter nur einzelne Elemente darstellen.

Aber was passierert, wenn der Lebensvollzug davon abhängig wird, eingeloggt zu bleiben? Telefon, Navigation, Einkaufen, Freizeit, Anstrengung und Müßgiggang – alles erfordert ein mobiles Gerät zur Anschlussfindung, weil es bald anders nicht mehr anders geht. Das ist weder eine Hoffnung noch eine Furcht, sondern der wahrscheinliche Fortgang aller auf Technikgebrauch sich stützenden Kommunikation. Das Problem ist die Frage nach der Entwicklung einer sozialen Urteilsbildung. Der gegenwärtige Ausgangspunkt für die Beurteilung sozialer Zusammenhänge besagt noch – einfach zusammengefasst – dass ein jeder Mensch seine Interesse durch Bildung und Information, durch Reflexion und Orientierung bildet und welche damit, da dieser Interessensbildungsprozess auf Rechten basiert, die jeder Mensch legitim in Anspruch nehmen darf, gegen andere Interessen gestellt werden können: “Ich und du” oder: “Ich oder du”.

So erklärt sich gemeinhin die Fortsetzung aller Kommunikation: es seien menschliche Interessen die ursächlichen Gründe dafür, weshalb die Kommunikation weiter geht, weshalb, wenn Interessen prinzipiell als menschengemachte Antriebsmuster legitim sind, die Folgewirkungen von Menschen verantwortet werden müssten. Welcher Urteilsbildungsprozess müsste durchlaufen werden, um in Erfahrung zu bringen, dass Interessen keineswegs der Antriebsmotor für Kommunikation sind? Denn tatsächlich könnten meine Interessen unmöglich der Antrieb für meine Interaktionen sein, da ich nicht sicher stellen kann, dass sich irgendjemand für meine Interessen interessiert. Wer das leugnet war noch nie unglücklich verliebt. Ich kann nämlich nicht machen, dass sie macht, was sie können müsste, damit sie macht, was ich will. Und sie auch nicht. Man könnte vielleicht noch behaupten, dass Gewalt, wie strukturell vermittelt auch immer, noch sicherstellt, dass man Interessen interessierbar machen kann; und es muss dabei ja nicht immer zum Schlimmsten kommen. Aber was wird, wenn auch diese Möglichkeit in einer sozialen Diabolik verschwindet, die nicht mehr zulässt, dass man noch an den Folgewirkungen schuld sein könnte?

So scheint gerade der Imperativ “Folge deinen Interessen!” – also das Geschäftskonzept dieser Identitätdienste – das diabolische Angebot eines Hexenmeisters zu sein: Mein Interesse ist, dass du deinen Interessen folgst, damit ich deinen Interessen folgen kann. Und sobald dieser Zirkel sich schließt, weil alle Komplexität der Welt erst durch Einloggen behandelbar wird, dann dürfte die Unterschied zwischen “mein und dein” wenn nicht wegfallen, so doch wenigstens unter andere Bedingungen gestellt werden.

Aber genau davon ist nicht die Rede, deshalb, weil dies massenmedial gar nicht vermittelt werden kann, weil die Methoden der Ermittlung gegenwärtig noch erprobt werden. So wird Facebook mit seinem Erfolg untergehen, nicht obwohl, sondern weil jeder irgendwann mitmachen muss. Das heißt: Auch Facebook wird irgendwann bei Facebook mitmachen, also Daten freigeben müssen. Und solange Facebook sich weigern kann, gibt es Grund sich zu fürchten.

von Kusanowsky

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